Die Begründung der Jury: »Heimisch in Heimesbach – kann man das sein? Der Roman »Die Lücken« von Shida Bazyar reflektiert anhand einzelner Figurenschicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens. Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen. Die Autorin wählt überzeugende literarische Strategien: Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen. Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes. Ein Roman gegen Gleichgültigkeit.«

Der Deutsche Buchpreis zeichnet den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus.
Shida Bazyars Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« (2016) wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis, dem Uwe-Johnson-Förderpreis und der Nominierung zum International Booker Prize. »Drei Kameradinnen« (2021) stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. 2023 wurde ihre Arbeit mit dem Ernst-Toller-Preis geehrt. 2026 erhält Shida Bazyar für ihren Roman »Die Lücken« auch den Wilhelm Raabe-Literaturpreis, der im November verliehen wird.

Interview mit Shida Bazyar
Deutscher Buchpreis 2026 für Autorin mit Hunsrücker Wurzeln: Shida BazyarSWR, 6.10.2026