Nachlass von Werner Ackermann an Berliner Akademie der Künste

Werner Ackermann, 1892 in Flandern geborener Deutscher, PEN Mitglied, der gut dreißig Jahre lang in Südafrika lebte, war ein Grenzgänger nicht nur in geographischer Hinsicht. Zu seinem 125. Geburtstag am 28. Dezember 2017 übernimmt die Akademie der Künste, Berlin eine umfangreiche Sammlung von Manuskripten und Korrespondenzen.

Nach freiwilligem Einsatz im ersten Weltkrieg zum Pazifisten geworden, studierte Werner Ackermann in Berlin Literaturwissenschaft, war als Verlagsbuchhändler tätig und begann zu schreiben. Neben journalistischen Arbeiten verfasste er teils sozialkritische Theaterstücke und Romane. Sein Schauspiel Flucht nach Shanghai wurde im Februar 1930 im Schauspielhaus Königsberg unter der Regie von Fritz Jessner uraufgeführt und im Oktober desselben Jahres von Max Ophüls am Berliner Lessingtheater inszeniert. 1931 erlebte die Komödie Fünf Akte Lotterie ihre Uraufführung in Frankfurt am Main. Das Drama Langusten für das Volk, entstanden in Antwerpen 1934/35, gelangte erst 1949 im Landestheater Halle an der Saale auf die Bühne. Ackermann beschränkte sich jedoch nie auf seine literarischen Aktivitäten. 1923/24 war er Miteigentümer des Künstlerhotels „Monte Verità“ in Ascona. In Monte Verità, die Geschichte eines Berges stellt er die unterschiedlichen Alternativkulturen  – Lebensreformer, Anarchisten, Vegetarier, Anhänger der Nacktkultur – und ihre Protagonisten vor, die sich seit der Jahrhundertwende auf dem Hügel bei Ascona trafen. Der Band erschien 1930 unter dem Pseudonym Robert Landmann und wird bis heute immer wieder aufgelegt.

1928 begründete Ackermann in Ascona die „Cosmopolitische Union“, die 1933 aufgelöst wurde. Er emigrierte über Wien, die Türkei und Spanien nach Belgien. 1940 arbeitete er dort zunächst als Übersetzer, wurde dann aber zur Wehrmacht eingezogen. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft 1945/46 lebte er in Weinheim an der Bergstraße. 1951 wanderte er nach Südafrika aus und starb 1982 in Mbabane (Swasiland). Bislang unveröffentlichte Lyrik und Texte, die sich mit Themen aus Südafrika befassen, sind noch zu entdecken. Ackermanns politisch und sozial engagierte Texte werfen Schlaglichter auf die Debatten der 1920er Jahre in Berlin ebenso wie auf die Nachkriegszeit.

Bereits 1989/90 gelangten durch den Soziologen Hans Mayer im Auftrag von Ackermanns Tochter Sonja Reissmann, die in Swasiland lebte, erste Unterlagen in das Archiv. Nach Reissmanns Tod 2015 brachte Hans Mayer den schriftlichen Nachlass Ackermanns nach Berlin; er hat ihn jetzt dem Literaturarchiv der Akademie übergeben. Etwa vier laufende Meter Manuskripte, Korrespondenzen, persönliche Dokumente, Druckbelege und Zeitungsausschnitte dokumentieren Ackermanns überaus facettenreiches Leben und Werk. Ausführliche Interviews, die Mayer als Vorarbeiten zu seiner 2015 erschienenen Biographie über Werner Ackermann (Das Glückskind vom Monte Verità) mit Sonja Reissmann führte, liegen ergänzend als Tondokumente vor. Nach der Erschließung steht der Bestand der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.