Heinz Schneeweiss

schneeweissHeinz Schneeweiss, geboren am 21. Februar 1930 in Bregenz/Österreich; verließ im Alter von zehn Jahren das Elternhaus; Gymnasium in Bregenz und Feldkirch; bis 1964 Lehrer im Österreichischen Schuldienst; danach Übersiedelung nach Rotterdam; 1964–68 Studium der Germanistik und der niederländischen Literatur. 1950–52 Bibliothekspraxis; 1952–56 Akademischer Mitarbeiter; Deutschlehrer und Übersetzer; seit 1974 Bibliothekar am Goethe–Institut Rotterdam; Mitarbeiter beim belgischen Rundfunk und bei Inter Nationes (Bonn).
Seit 1964 Mitglied des Niederländischen Schriftstellerverbandes; seit 1978 Mitglied der Maatschappil der Niederlandse Letterkunde; seit 1989 Landesverband Niedersachsen (IG); Seit 1982 Mitglied des Internationalen P.E.N., London.

Veröffentlichungen: Auf meiner Zunge der Kobol (Lyrik, 1964); Memorandum eines Antipoden (Lyrik 1968); So und nicht anders (Lyrik 1974); In eine Architektur der Stille (Lyrik 1984); literarische Übersetzungen aus dem Holländischen und Flämischen.

Weitere Veröffentlichungen mit Textauszügen:

In der Kombination von Weltelementen machen Texte Leser und Autor zu Mitarbeitern der Erde und des Kosmos und fordern sie auf, dem Gewissen zu folgen. Texte und ihre Inhalte stehen als Lebenszeugnisse auf dem Prüfstein menschlichen Daseins. In der Wüste der Wirklichkeit werden Zusammenhünge zwischen Welt und Kosmos, Leben und Mythos erkennbar, lebt das Wort aus persönlichem Erlebnis und sucht nach einem möglichen Ursprung im Unsagbaren, überschreitet Grenzen.
Wirklichkeit und Möglichkeit, Zeit und Raum werden so Ausdruck gespaltenen Daseins in unserer Zeit, aber nicht ohne ein ständig neues Hoffen, dass Menschen einander finden und ihren Streit untereinander beenden. Auch in Zukunft werden sich zahlreicher Einschränkungen zum Trotz noch Freiräume persönlichen Lebens aufspüren lassen und wird sich Gefundenes absichern lassen, falls der Einzelne zu weltweitem Denken und Fühlen findet.

(Ausschnitt aus der Einleitung zu dem Band Erzählungen Zwischen Picknick–Service und Showbusiness, 2001, Athena–Verlag Oberhausen mit der gleichnamigen mallorquinischen Novelle).

Weiter erschienen im gleichen Verlag 2003 die Novelle Aus Sternenstaub mit Motiven aus Teneriffa.

2004 erschien bei Athena die Erzählung Was nun, Prometheus? mit Motiven aus Kreta.

2005 entstand die Novelle Vom doppelten Wert aller Dinge mit Motiven aus dem 20. Jahrhundert und einem Ausblick auf das Entstehen der Europäischen Union;

Hier in Europa ist auf den Einbruch der neuen Welten niemand vorbereitet. Jedermann ist mit seinem eigenen ICH beschäftigt Man sieht nur die Sache, das Geschäft, Gewinn und Verlust. Man redet nicht miteinander, sondern man löst dauernd den einen oder anderen Konflikt. Man schaut noch immer auf die Uhr, denn Zeit ist Geld, Geld ist Macht, Macht ist Besitz, Besitz ist Glück. Schon in der dreigliedrigen Frage Kants über die Philosophie zeigt sich das Ich:

1. Was kann ich wissen?
2. Was muss ich tun?
3. Was darf ich hoffen?

Ich    ich    ich    ich    ich.

Ist dieses Ich vielleicht des Menschen Wesen, oder muss das Ich erst einmal lernen, Mensch zu sein? Die zweite Überlegung scheint mir richtiger. Dazu braucht es Lebenserfahrungen. Diese wiederum sind derart merkwürdig geworden, dass sie als solche nur noch schwer zu erkennen sind. Wer spricht heute von LIEBE? Das ist doch ganz einfach Sex geworden. Ist das nicht dasselbe? Ist alles so primitiv geworden? Du nennst das primitiv?

Und so könnte sich ein Dialog darüber weiter entwickeln.

Vielleicht hat Jean Gebser wieder einmal recht, wenn er sagt: „Imer noch ist der Mensch eine getrübte Erscheinungsform dessen, was mehr ist“ (Gebser In der Bewährung, S. 24). Isoliert in sich selber wird der Mensch dieses sein Mehr nie erkennen, weil ihm nach Martin Buber die Fülle der Beziehungskraft fehlt, die „wirkliche Gegenseitigkeit, das Aufgenommen–werden, das Verbundsein mit mit einem Du“, wie er es in seinem wichtigen Werk Das dialogische Prinzip (Heidelberg 1992, 1994) beschreibt. Demnach ist gerade das Nicht–Finden des Zwischenmenschlichen einer der Hauptgründe fuer die „fehlende Friedensfähigkeit und Friedfertigkeit des Menschen und der Völker“ (siehe auch: Karl Brose Friedensphilosophie und Friedenserziehung. Von Kant bis Adorno. Essen 1996).

(Aus der Apologie zu Friedfische, Münster 1996)