Doris Liebermann

Doris Liebermann wuchs in Thüringen auf und studierte Theologie in Jena. Nach einer Unterschriftensammlung gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann wurde sie zusammen mit der „staatsfeindlichen Jenaer Gruppe“ um den Schriftsteller Jürgen Fuchs 1977 nach West-Berlin ausgebürgert. Dort studierte sie Osteuropäische Geschichte und Slawistik und arbeitet seit 1983 als Autorin für Funk, Fernsehen und Printmedien. Sie realisierte zahlreiche Feature-Produktionen zur Geschichte, Literatur und Politik Osteuropas und der DDR (etwa zu Anna Achmatowa, Michail Bulgakow, Karl Dedecius).

Werke, u. a.:

(Hg., mit J. Fuchs u. V. Wallat): Dissidenten, Präsidenten und Gemüsehändler: Tschechische und ostdeutsche Dissidenten 1968-1998, Essen 1998; (

Hg.) Hörbuch: Jürgen Fuchs: Das Ende einer Feigheit. Mit einer Einführung von Herta Müller und einem Lied von Wolf Biermann. Hamburg 2010/2011;

Herausgeberin eines weiteren Hörbuchs zu Jürgen Fuchs „Landschaften der Lüge“. 

Herausgeberin der Memoiren der russischen Berlin-Emigrantin Vera Lourié: Briefe an Dich, Frankfurt/Main 2014,

Buch: Ein Piratenstück (Geschichte einer oppositionellen Künstlergruppe in Leipzig), Halle 2015;

Gespräche mit [überwiegend DDR-]-Oppositionellen, Berlin 2016.

Zur Zeit Arbeit an einem Buch über ein anderes Kapitel oppositioneller Leipziger Kulturgeschichte (Halle 2022).

geb. am 17.12.1953 in Leimrieth in Südthüringen

Der Ort liegt in unmittelbarer Nähe des Sperrgebiets zur Bundesrepublik. Dies prägt ihre Kindheit. Sie wächst in einer traditionell protestantischen und eher unpolitischen Bauernfamilie auf, geht zur Christenlehre und ist gleichzeitig Junger Pionier. Sie macht die Jugendweihe und wird außerdem konfirmiert. Die Abweichungen zwischen den DDR-Parolen in der Schule und dem, was sie im westdeutschen Fernsehen sieht, nimmt sie schon früh wahr.
1973
schließt sie die Facharbeiterausbildung zur Handelskauffrau mit Abitur ab und beginnt ein Slawistik-Studium in Jena. Sie wird aktives Mitglied der Jungen Gemeinde (JG) Stadtmitte. In ihrem Jahrgang werden nur acht Studenten zugelassen – überwiegend Diplomatenkinder. Als Bauernkind soll sie Sekretärin der Freien Deutschen Jugend werden, um so nach außen das Bild des Arbeiter-und-Bauernstaats aufrechtzuerhalten. Doch sie weigert sich, verlässt die Universität und arbeitet zwei Jahre im kirchlichen Martin-Luther-Feierabendheim.
1976
beginnt sie ein Theologiestudium in Jena. Nach drei Semestern wird sie exmatrikuliert, da sie im November mit anderen JG-Mitgliedern die Petition der Berliner Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschrieben hat. Jürgen Fuchs diktierte ihr den Text per Telefon. Am 19. November wird sie verhaftet und von der Stasi verhört. Nach ihrer Freilassung kümmert sie sich um die Unterstützung anderer Inhaftierter, wie Bernd MarkowskyWolfgang Hinkeldey und Thomas Auerbach, der damals ihr Freund ist.
1977
erhält sie im Frühsommer ein Ausreiseangebot – als Angehörige des inhaftierten Sozialdiakons der JG, Thomas Auerbach. Am 17. Dezember, es ist ihr 24. Geburtstag, reist sie nach West-Berlin aus. Schon vorher, am 2. September, werden die inhaftierten Jenenser direkt aus dem Gefängnis in den Westen abgeschoben.
Anschließend beginnt Doris Liebermann ein Studium der Osteuropäischen Geschichte und Slawistik an der Freien Universität Berlin.Seit
1983
freie Autorin für Funk- und Printmedien1989 bis 1994
arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Politik/Osteuropa der Freien Universität Berlin.2004 bis 2007
ist Doris Liebermann Vorstandsmitglied der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-DiktaturHeute ist sie Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial St. Petersburg/Berlin.

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